Wie groß ist die Lesekrise, Ulrich Ludewig?

Shownotes

„Lesestart 1-2-3“ ist ein bundesweites Programm, das Kleinkinder beim Kinderarzt bzw Ärztin oder in Bibliotheken kostenlos mit Büchern und Lesetipps versorgt, um möglichst alle Familien früh zu erreichen – und zwar unabhängig vom Bildungsgrad oder Geldbeutel der Eltern. Und genau da soll jetzt gespart werden.

Was viele nicht wissen: Wir stecken seit Jahren oder fast Jahrzehnten in einer Lesekrise fest, die immer größer wird. Rund 25 % der Viertklässler:innen erreichen nicht das Mindestniveau im Leseverständnis. Das zeigt die internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU 2021). Knapp ein Viertel der 15-Jährigen verfügt nicht über ausreichende Lesekompetenzen für eine erfolgreiche Teilhabe an Bildung und Gesellschaft. Dabei ist Lesekompetenz die Grundlage für Lernen in nahezu allen Fächern, für Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe. Sie ist die Grundlage dafür, dass wir kritisch denken, Inhalte kombinieren und uns selbst eine Meinung bilden können.

Dr. Ulrich Ludewig vom Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund ist auch Mitautor der IGLU-Studie. Er ordnet die Lesekrise und ihre Folgen für uns ein.

Letzte Ifo-Studie: Hier.

30 Millionen Wörter Gap: Hier.

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00:00:20: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Podcast-Folge Hungry Minds.

00:00:24: Ich habe neulich etwas gelesen, was mir Bauchschmerzen bereitet hat!

00:00:28: Das Programm Lesestart one two three soll nicht weiter finanziert werden.

00:00:34: Was viele nicht wissen wir stecken seit Jahren oder fast seit Jahrzehnten in eine Lesekrise fest um.

00:00:40: die wird immer größer.

00:00:42: Rund twenty-fünf Prozent der Vierklässlerinnern erreichen nicht das Mindestniveau im Leseverständnis.

00:00:48: Das zeigt die internationale Grundschulleaseuntersuchung Igloo.

00:00:53: Knapp ein Viertel des fünfzehnjährigen verfügt nicht über ausreichende Lesekompetenz für eine erfolgreiche Teilhabe an Bildung und Gesellschaft, und das finde ich echt heftig!

00:01:04: Denn lesekompatent ist die Grundlage fürs Lernen in nahezu allen Bereichen, einen Fächern für die Ausbildung Beruf und ihn für gesellschaftliche Teilhabe.

00:01:15: Lesen ist die Grundlage dafür, dass wir kritisch denken können Inhalte kombinieren und uns eben selbst eine Meinung bilden können.

00:01:24: Lesestart-EinzweiDrei ist ein bundesweites Programm, das Kleinkinder beim Kinderarzt bzw.

00:01:30: der Kinderärztin oder auch in der Bibliothek kostenlos mit Büchern und Lesetipps versorgt um möglichst alle Familien frühzeitig zu erreichen und zwar unabhängig vom Bildungsgrad oder Geldbeutel der Eltern.

00:01:43: Und genau da soll jetzt gespart werden.

00:01:46: Ich möchte heute herausfinden ob das so clever ist und ich will die Lese Krise und ihre Folgen heute etwas besser verstehen.

00:01:53: Dazu spreche ich mit Dr.

00:01:55: Ulrich Ludwig vom Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund, er ist auch Mitautor der Iglo-Studie und ich würde sagen wir gehen direkt rein ins Thema!

00:02:06: Ich wünsche euch viel Spaß im Hangul-Meinstag mit Ulri Ludwig Und wir sind drin!

00:02:15: Ulris, ich freue mich total, dass du dir die Zeit nimmst.

00:02:17: Hallo Ronja, freut mich hier in deinem Talk zu sein.

00:02:20: Sehr cool!

00:02:21: Ich will zum Einstieg die Lesekrise erstmal ein bisschen besser verstehen.

00:02:24: Wenn wir über Lese-Schwäche sprechen, was genau bedeutet das eigentlich?

00:02:29: Also ab wann kann ein Kind konkret diesen Mindeststandard nicht mehr erfüllen und was ist der Mindeststandard.

00:02:38: Also bei der IGLU Studie haben da so definiert... Wir forschen das Lesen am Ende der Grundschule also wenn die Kinder ungefähr zehn Jahre alt sind Und die Stufe, die wir da definieren Ob Kinder in der Lage sind, das Lesen als Werkzeug zum Lernen zu verwenden.

00:03:01: Also ob sie praktisch wenn Sie unter der Stufe sind bedeutet dass es immer noch damit beschäftigt sind grundlegend lesen zu erlernen.

00:03:11: und wenn sie über dieser Stufe liegen dann können sie das lesen praktisch verwenden um neue Dinge zu lernen also um Bücher zu lernen aus einem Text herausnehmen zu können zum

00:03:23: Beispiel.

00:03:25: Und das wird praktisch von verschiedenen Experten bewertet, also wir haben Testaufgaben und die sind eben auf diesem Niveau über dem Mindestniveau unter dem Mindeste niveau und wenn sie die Kinder die Aufgaben bearbeiten können über den Mindeste-Niveau dann sagen wir, dass sie das erreicht

00:03:45: haben.

00:03:46: Und was bedeutet das für eine Klassenraumdynamik, wenn tatsächlich ein Viertel der Kinder in der vierten Klasse dieses Mindestniveau nicht mehr erreichen?

00:03:57: Also es verschiebt natürlich den Fokus auch in der weiterführenden Schule von einer Auseinandersetzung mit den Fächern.

00:04:14: Geschichte und all die verschiedenen Bereiche, mit denen man sich dann beschäftigt.

00:04:19: Wieder zurück zum Lesen.

00:04:21: lernen also üben, die Flüssigkeit, Leseflüssigkeit erlangen verstehen zu üben ja die Strategien lernen wie man vorwissen mit den gelesenen verbindet.

00:04:39: und diese Themen Und darauf sind die weiterführenden Schulen meist nicht so richtig vorbereitet und deswegen ist auch ab da, die Lernkurve nicht so wie sie sein sollte.

00:04:55: Und eigentlich passiert ja genau das nicht?

00:04:58: Also dass dann nochmal angesetzt wird und wirklich in die Lesekompetenz investiert wird weil sonst wäre es ja nicht so, dass auch ein Viertel der Fünfzehnjährigen ihm nicht über ausreichend Lesekompetencer fügt.

00:05:10: Das heißt, das Problem wird ja eigentlich nur fortgesetzt.

00:05:13: Weil die Lehrkräfte und wahrscheinlich gar keine Ressourcen haben diese Problematik noch aufzufangen und weil da gar nicht der Raum besteht, weil der Stundenplan oder der Lehrplan ebenso vollgeballert ist mit Inhalten wo es tatsächlich um die Inhalte geht und nicht um die Frage verstehe ich jetzt den Text beziehungsweise kann ich den Flüssig lesen?

00:05:37: für mich?

00:05:39: Ob wird er gesagt, Kinder lesen privat einfach zu wenig oder Eltern lesen ihnen zu wenig vor?

00:05:45: Ist das tatsächlich die Hauptursache oder machen wir es uns damit so einfach?

00:05:52: Also ich glaube man muss trennen.

00:05:54: Eine Frage ist praktisch wie wird die Bildungsungleichheit erklärt?

00:05:59: also woher kommen eigentlich die großen Unterschiede zwischen den Kindern?

00:06:03: weil es gibt ja schon auch Kinder die gut lesen können in Deutschland.

00:06:07: und die andere Frage hat sich das in den letzten Jahrzehnten entwickelt.

00:06:14: Wir können schon zeigen und da haben wir auch schon Studien zu veröffentlicht, dass man diesen Trend, wie man erwarten würde, auch in den Familien sieht.

00:06:24: also die Eltern der Kinder, die wir untersuchen geben auch an, dass sie immer weniger lesen.

00:06:32: Die Familien haben immer weniger gedruckte Bücher zu Hause Und man sieht aber auch in anderen Indikatoren, dass das Lernumfeld der Kinder sich verschlechtert.

00:06:49: Also es gibt immer weniger Kinder die zum Beispiel einen eigenen Schreibtisch oder ein eigenes Zimmer haben um praktisch einen ruhigen Lernort zu haben.

00:06:59: Das ist schon eine allgemeine Entwicklung.

00:07:03: In dem Fall kann man das aber nicht Also nicht einwandfrei darauf zurückführen, es wird wahrscheinlich schon irgendwas damit zu tun haben die absinkenden Ergebnisse in der Lesekompetenz.

00:07:17: Da spielen natürlich noch andere Entwicklungen eine Rolle.

00:07:20: also natürlich auch die Omnipräsenz von digitalen Medien ist natürlich praktisch ein Faktor der von Aktivitäten wie lesen eher ablenken kann.

00:07:38: Und auch praktisch.

00:07:43: der Multilingualismus, der sich in Europa allgemein und auch in Deutschland viel verbreiteter ist führt natürlich dazu dass die Sprachkompetenzen sich eher auf mehrere Sprachen verteilt als nur auf das deutsche.

00:08:03: Man muss immer dazusagen Pisa und auch Iglu, also unsere Studie testen ja nur auf Deutsch.

00:08:12: Und das sind schon Faktoren die damit rein spielen.

00:08:18: wir testen nicht welche anderen Sprache in Deutschland noch gelernt werden.

00:08:25: aber wenn man praktisch eine sehr wichtige Grundlage für Für das Lesen und für das Lese Verstehen ist natürlich auch das Sprachverständnis.

00:08:43: Man kann praktisch zeigen, dass die Zeit, die man mit einer Sprache verbringt schon auch damit ein wichtiger Predictor dafür ist wie gut man in einer Sprachen wird.

00:08:54: Und da sieht man dann auch in den Ergebnissen der Lesekompetenz.

00:09:03: Wann kann man dann erkennen, dass ein Kind womöglich Schwierigkeiten beim Lesen oder eben auch beim Sprechen bekommt?

00:09:09: Über welches Alter sprechen wir da.

00:09:11: Ich weiß zum Beispiel meine Tochter glaube ich so acht Monate alt war mit ihr bei der Kinderärztin und ich glaube mit acht Monaten haben wir den Ausweis für die Hamburger Bibliothek bekommen und wir haben einen Buch mit den ersten Worten mitbekommen.

00:09:29: Und dann dachte ich, okay das ist aber früh.

00:09:31: Weil ich jetzt noch gar nicht ... Also ja klar, sie hat irgendwie in Büchern geblättert Aber ich hatte jetzt auch nicht das Gefühl dass wir da über Lesekompetenz sprechen Sondern erst mal an ein Interesse an diesem haptischen Ding, diesen Buch an sich.

00:09:48: Ab wann sprechen wir denn davon Dass wir wirklich erkennen können, dass sich irgendwann ein Problem auftun könnte?

00:09:57: Was Problem, also ich glaube in diesen jungen Jahren vielleicht bis zwei drei spielen natürlich da auch einfach Entwicklungspsychologische Faktoren eine Rolle die nicht unbedingt eine Vorhersage Kraft haben für die langfristige Entwicklung.

00:10:14: Aber so ab ab drei vier kann man praktisch schon feststellen, dass es erhebliche Unterschiede in dem Wortschatz gibt der Kinder.

00:10:27: Die auch durch das Lernumfeld bedingt sind.

00:10:30: und diese Unterschiede die führen sich dann auch häufig bis weit hin in die Bildungslaufbahn weiter.

00:10:37: also Es gibt so eine Bekannte Studie oder ein bekanntes Ergebnis Der Dreizig Millionen Werter Gap Und der beschreibt Das Ergebnis einer Studie, wo das Interaktionsverhalten zwischen Eltern aus Akademikerhaushalten und aus sozial benachteiligten Haushalten verglichen wurden.

00:11:04: Und die haben gezeigt, dass praktisch durch die Interaktionstele der Eltern mit ihren Kindern bis zum vierten Lebensjahr ein Unterschied von dreißig Millionen gesprochenen Wörtern entsteht.

00:11:21: Es gibt da praktisch erhebliche Unterschiede, was die Menge und die Vielfalt an Sprache in den Familien stattfinden.

00:11:32: Die führt dann zu den frühen Unterschieden, die man sieht auch schon vor der Grundschule.

00:11:43: Diese Unterschiede sind relativ schwierig zu dann wieder zu verringern.

00:11:49: Also man kann das natürlich, aber je später das dann ist, desto aufwendiger wird es praktisch.

00:11:56: und das schließt eigentlich auch so ein bisschen anders Lesestadt eins zwei drei Programm an weil das natürlich eines der wenigen universellen Programme war die sich an des sehr früher lesen richten und da vielleicht vielen Eltern auch nochmal einen Anstoß gegeben haben und in dieser sehr aufregenden Zeit, wenn man ein junges Kind hat praktisch auch noch mal daran zu erinnern mit den Kindern zu lesen.

00:12:26: Und praktisch deren Sprachförderung zu begleiten.

00:12:31: Deswegen ist das so schade dass dieses Programm eingestellt wurde weil vergleichbare Dinge gibt es im Deutschland meines Wissens nicht.

00:12:40: Okay, das heißt du würdest auch aus wissenschaftlicher Sicht sagen eigentlich bräuchten wir dieses Programm weiterhin.

00:12:46: und die Begründung der aufgeführt wird dass Programme einfach also das Programm irgendwann auch mal auslaufen müssen.

00:12:54: Eigentlich nicht hinnehmbar ist.

00:12:56: in dem Fall

00:12:59: wenn sie jetzt also die Begründung war natürlich irgendwie bürokratisch, das ist natürlich irgendwie schade.

00:13:04: Als Wissenschaftler wünscht man sich natürlich immer dass es praktisch so ein bisschen nach dem trial and error Prinzip vorgegangen wird.

00:13:10: Also man probiert was aus evaluiert ist und abhängig von dem Ergebnis entscheidet man dann ob es weiter finanziert wird.

00:13:18: aber das war ja hier anscheinend gar nicht der Fall.

00:13:21: ich glaube die Grundhaltung gegenüber dem Programm war ja recht positiv.

00:13:29: dann gab es irgendwie eine Förderlogik, die dazwischen gefunkt ist anscheinend.

00:13:35: Also das ist eigentlich sehr schade einmal aus dem Punkt weil es ein Programm war was eben die besonders Jung adressiert hat und aus diesem Punkt dass es nicht aus der Überzeugung eingestellt wurde dass es nicht funktioniert oder nicht das Geld wert ist, sondern eigentlich nur weil man jetzt mal wieder was anderes machen will.

00:14:02: Und

00:14:02: weil man halt insgesamt sparen will und die Frage ob ja tatsächlich etwas anderes in dem Bereich kommt – ist ja noch offen!

00:14:10: Ein Programm, das sich so in Deutschland etabliert hat und von Ärztinnen und Ärzten in den U-Untersuchungen mit aufgenommen wird, muss man ja auch erst einmal erreichen Welchen deckende Wirkung hat tatsächlich?

00:14:25: Das ist ja nichts, was von heute auf morgen passiert.

00:14:28: Wow!

00:14:30: Was auch noch mal besonders ist an dem Programm für viele und auch völlig bevölkerungsdurchdringend sind Ärzte und Ärztinnen meistens Vertrauenspersonen.

00:14:43: Und wenn die praktisch diese Dinge an die Familien ranbringen, dann ist das nochmal eine ganz andere Connection als jetzt klassische Bildungsinstitutionen.

00:14:52: Die von eben bei denen in den Familien wo dieses Programm ein Mehrwert bringen kann häufig eine gewisse Distanz gibt.

00:15:01: also es ist ja häufig so dass also gar nicht aus einer Abneigung sondern wenn man praktisch mit dem Bildungssystem in Deutschland noch nicht so vertraut ist, hat man da einen gewissen Respekt und eine gewisse Distanz.

00:15:16: Und die Ärzte können das glaube ich ganz gut überbrücken weil sie eben Vertrauenspersonen sind und vielleicht nicht gleich mit akademischem Anspruch diese, die wahrscheinlich nicht mit einem erhobenen Zeigefinger ach lest doch mit euren Kindern oder so sondern das auf einem vertrauensbasierten Verhältnis beruht.

00:15:46: Ja, ich finde diese Tatsache, dass wir bis zum vierten Lebensjahr einen Unterschied von dreißig Millionen Wörtern im Zweifel aufbauen und es ist umso schwieriger ist dieses Ungleichgewicht zwischen den Kindern dann auch irgendwann wieder auszugleichen, finde ich tatsächlich ziemlich heftig.

00:16:04: Und ich frage mich in dem Kontext Wie können wir denn dann für Bildungsgerechtigkeit sorgen, wenn es schon so früh anfängt und die Eltern dann doch eine tragende Rolle spielen?

00:16:18: Du hast ja vorhin gefragt nach der Verantwortung.

00:16:21: Ist das die Verantwortung der Eltern oder der Schule?

00:16:23: Ich würde sagen, die Eltern spielen auf jeden Fall eine Rolle.

00:16:28: aber zuletzt die Verantwortung der Eltern, dass diese Unterschiede verringert werden.

00:16:35: Sondern es liegt dann in der Verantwortung des Bildungssystems mit allen Kindern so umzugehen, dass wir unterschiedlich verringern und einen Mindeststandard für alle erreichen.

00:16:51: Wenn man in Länder schaut wo das besser funktioniert, findet man in der Regel praktisch Systeme oder schulische Förderung, die praktisch additive Förderungen für Kinder mit Schwierigkeiten anbietet.

00:17:08: Also zum Beispiel im schwedischen Modell ist es so, es gibt drei Stufen man hat den normalen Unterricht dann gibt es eine Nachholförderung würde ich das jetzt mal beschreiben und eine besondere Fördering.

00:17:21: Und in dem schwedischem Bildungssystem ist es ganz normal dass bei Kindern feststellt, ah du bist vielleicht jetzt in diesem Bereich des Lesens etwas hinterher und deswegen bekommst Du eine gesonderte Förderung in einer Kleingruppe.

00:17:39: Und wenn sich das Problem wieder eingestellt hat dann gehst Du, dann hört diese Förderungen auch wieder auf.

00:17:45: also man hat einfach eine Logik dass wir gleichen dann auch Rückstände bevor sie wirklich problematisch werden sondern es sind einfach Rückstände in einem der verschiedenen Lernziele.

00:18:02: Und dann macht man eben ein bisschen mehr in dem Bereich, in einer Kleingruppe und wenn sich das dieser Rückstand wieder getan hat, dann hört diese Förderung auch wieder auf und es hat nicht so was stigmatisierendes sondern ist einfach eine zusätzliche Unterstützung die man

00:18:21: bekommt.".

00:18:26: Wir hatten vor, ich glaube zwei, drei Monaten hier im Podcast mal Teilnehmender einer Jugendwerkstatt und da war auch Max dabei.

00:18:34: Und Max ist mittlerweile neunzehn Jahre alt, glaub ich.

00:18:39: Und keiner seiner Lehrkräfte ist anscheinend aufgefallen, dass er Widerlesen noch schreiben kann also wirklich so gut wie gar nichts zehn Prozent.

00:18:49: So!

00:18:50: Und da hat die Corona-Pandemie ihn natürlich auch in die Karten gespielt das er einfach nicht mehr physisch vor Ort sein musste, dass er dann vieles über ein Computer und iPad machen konnte.

00:19:00: Und es dann da die Autokorrektur gab.

00:19:03: KI ist jetzt natürlich auch noch mal so ein weiteres Ding um sich durchzumogeln, das man Texte einfach von ZPT schreiben lässt und das ja auch über Spracheingabe anweisen kann.

00:19:15: Und unterm Strich ist erst kurz vor seinem Abschluss den er dann natürlich nicht geschafft hat aufgefallen dass er nicht lesen und schreiben kann.

00:19:24: Und erst jetzt mit neunzehn Jahren bekommt er die Unterstützung, die eigentlich schon in der Grundschule gebraucht hätte.

00:19:32: Wenn man solche Geschichten wie die von Max hört, dann fragt man sich warum ist unser Bildungssystem im negativen Sinne so durchlässig, das so viele junge Menschen da durchfallen?

00:19:43: Liegt es daran, dass manche Lehrkräfte einfach nicht hinsehen wollen?

00:19:46: oder ist es was Systemisches, was auch Lehrkräften nicht auffangen können?

00:19:52: Also ich würde jetzt mal keiner Lehrkraft unterstellen, dass sie das praktisch einfach nicht will.

00:19:59: Sondern es gibt so viele Aufgaben, dass dieses Einhalten der Mindeststandards vielleicht gar nicht die wichtigste Herausforderung für die Lehrkräfte ist.

00:20:15: Auch wenn wir da wieder in andere Länder schauen... würde ich mal anführen, dass es auch wieder wenn wir in die Skandinavischen Länder gehen da gibt es einen anderen Umgang mit Prüfungen.

00:20:33: Für uns sind Prüfung immer auch mit Benotung verbunden und in den Skandinabischen gibt's eher eine Kultur wo es um das.

00:20:45: Also wir wollten eigentlich keine Fachbegriffe benutzen, aber den mache ich jetzt das formative Assessment.

00:20:53: Wenn man Tests macht ist die Grundidee dass der Test nicht dafür da eine Benotung zu geben sondern dafür da herauszufinden was sollte man als nächstes lernen

00:21:06: und dann auch etwas abzuleiten.

00:21:08: Und genau es geht immer darum praktisch ein Die Planung von dem zu steuern, was soll jetzt als Nächstes gelernt werden?

00:21:16: Und es geht gar nicht darum zu sagen du bist so gut oder so schlecht.

00:21:21: Sondern es geht darum herauszufinden Was soll das jetzt als nächstes lernen?

00:21:27: Das würde ich so sagen ist wahrscheinlich auch der Key Factor den wir uns von anderen Ländern abschauen könnten um unsere Lesekompetenz die seit Jahrzehnten gewachsen ist wieder ein bisschen auszugleichen.

00:21:40: Genau also Der Fokus auf frühe Sprachförderung, der praktisch einen Umgang mit Prüfungen die das Lernen steuern und nicht für eine du-wiss-gute oder beschlecht Bewertung da sind.

00:21:56: Und eine additive Förderung.

00:21:58: also in Deutschland ist der Fokus in den letzten Jahren viel auf individuelle Förderungen gegangen was auch gut ist.

00:22:08: Aber in Deutschland ist es häufig so verstanden worden, dass individuelle Förderung bedeutet die Kinder kriegen unterschiedliche Aufgaben und natürlich Inhalte und nicht da die einen kriegen mehr Unterstützung und die anderen weniger.

00:22:22: Und in den Ländern diese erfolgreich sind mit individueller Förderungen bedeutet das, dass die Kinder alle ungefähr das Gleiche schaffen sollen aber sie bekommen unterschiedlich viel Unterstützung dabei.

00:22:36: Das nennt man das Response to Intervent.

00:22:41: Also, das Verständnis von individueller Förderung ist eher Kinder kriegen unterschiedlich viel Unterstützung um ein Ziel zu erreichen als zu sagen wir geben den Kindern unterschiedliche schwierige Aufgaben was bedeutet dass Kinder die Probleme haben viel länger auf einem niedrigen Niveau bleiben weil sie eigentlich zusätzliche Förderung brauchen und nicht einfache Aufgaben.

00:23:08: Okay, das führt mich jetzt aber so ein bisschen zu der Frage ob diese Aufteilung nach der vierten Klasse eher Teil der Lösung oder Teil des Problems ist.

00:23:16: denn da fangen wir ja im Prinzip schon an junge Menschen in unterschiedliche Gruppen zu ordnen dass die unterschiedliche Aufgaben bewältigen sollen.

00:23:29: Genau also Zu der Frage des frühen Übergangs gibt es mittlerweile relativ viele Studienergebnisse, auch aus PISA und Iglu.

00:23:41: Und ich würde sagen so der Konsens der Forschung ist schon das es dazu führt dass in Deutschland die Unterschiede dann wenn die Kinder fünfzehn sind bei PISA größer werden.

00:23:53: also es ist schon etwas was die unterschiedlichkeit verstärkt.

00:23:59: Das andere Ergebnis ist, dass es nicht unbedingt dazu führt das es ein höheres Niveau gibt.

00:24:04: Also das könnte ja auch sein, dass insgesamt höhere Niveaux gibt aber das scheint nichts zu sein.

00:24:08: also es trägt eigentlich nicht zu den Zielen die wir für das Bildungssystem formuliert haben bei.

00:24:17: ich persönlich würde sagen Das ist vielleicht gar nicht an dieser Systemeigenschaft liegt, sondern dass man wahrscheinlich auch eine Gestaltung finden könnte die diesen Problem entgegen wirkt ohne dass man praktisch das gesamte Schulsystem umbauen muss.

00:24:36: Weil das ja auch wieder mit unverhältnismäßig hohem Aufwand und Verwerfungen zu tun hat.

00:24:44: also wenn man zum Beispiel diese Idee des formativen Assessments auch durch Grundschule und weiterführende Schule, weiterführen würde.

00:24:54: Dann könnte man diese Probleme, die dadurch entstehen vielleicht sogar ausgleichen.

00:25:00: Ja,

00:25:02: es spricht uns erst gerne noch zu Ende!

00:25:07: Ich würde zum Ende total gerne nochmal mit dir darüber reden, welche Folgen das denn für Wirtschaft und Arbeitsmarkt haben.

00:25:13: Denn ich spreche ja viel mit Ausbildungsbetrieben, viel mit Arbeitgebern Und die sagen mir immer wieder Mit den Leuten, die von der Schule kommen können wir ganz häufig nichts anfangen weil es denen an Basiswissen fehlt An Grundkompetenzen in Mathematik Ganz ganz viel.

00:25:29: Also gerade in den technischen Berufen höre ich dass zu Beginn einer Ausbildung erst einmal noch mal sechs Wochen Mathe Intensivkurs kommen, bevor man sich mit den Ausbildungsinhalten beschäftigt.

00:25:43: Aber eben auch mit der Lesekompetenz natürlich oder beziehungsweise mit dem Verständnis von Texten generell.

00:25:51: Denn wenn ich den Text nicht verstehe dann habe ich im beruflichen Sinne Herausforderung eine Dokumentation zu verstehen einen Ablaufplan zu verstehen, dass ich dann gewisse Dinge einfach nicht folgen kann.

00:26:06: Glaubst du die haben das im wirtschaftlichen Sinne in Blick was die fehlende Lesekompetenz mit uns als Wirtschaftsstandort macht?

00:26:19: Zu wenig wahrscheinlich!

00:26:20: Also es gibt Analysen von Ludger Wössmann der zeigt, dass an praktisch die Punkte Die Punktwerte, die für die Grundkompetenzen in Iglu und PISA sich, wenn ich mich richtig erinnere ungefähr dreißig Jahre später dann auch in die Wirtschaftsleistung eines Landes umrechnen lässt.

00:26:44: Also das ist ganz klar ein sehr nachgewiesener Faktor dass das Kompetenzniveau der der jungen Leute sich später auch in die Produktivität der Wirtschaft umsetzt.

00:26:59: Und was uns immer am Herzen liegt, ist dann auch die Frage der Bildungsgerechtigkeit.

00:27:09: Das Problem sind ja die vielen Kinder, die keine Lehrstelle finden und man wahrscheinlich auch wegen ihren Basiskompetenzen keine Chance oder keinen guten Einstieg in das Erwerbsleben finden.

00:27:33: Auch wenn das Ziel praktisch weit weg ist, die Maßnahmen, die man dagegen angehen müsste, fangen eben schon im frühkindlichen Bereich und in der Grundschule an?

00:27:49: Glaubst du denn... Es ist Teil der Lösung, dass Ausbildungsbetriebe auch in Grundlagen Bildung investieren oder aus Beziehungsweise sie investieren ja weil das Schuhsystem so überfrachtet ist.

00:28:05: Ist es Teil der Lösungen, dass Sie das tun?

00:28:06: Oder ist es eigentlich eine Problematik, wie du sagst schon viel zu spät ist?

00:28:12: Grundsätzlich ist es die Aufgabe vom Bildungssystem.

00:28:15: also Das sollte eigentlich eines der Kernziele sein, dass alle Kinder ein gewisses Niveau erreichen.

00:28:26: Von dem aus sie dann ja einen Beruf erlernen können und sich nicht mehr mit diesen Basiskompetenzen auseinandersetzen müssen.

00:28:34: also da müsste man wahrscheinlich einfach klarer priorisieren was es uns wichtig im Bildungssystem Und dann an vielen Stellen wahrscheinlich diese Basiskompetenzen nochmal ein bisschen stärker in den Fokus schieben.

00:28:50: Gut, wir halten also fest frühkindliche Bildung ist extrem wichtig nicht nur für die jungen Menschen persönlich sondern auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland generell und eben auch die Frage wie... Gut können junge Menschen vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt übergehen und das zeugt eben alles von langfristigen Problemen.

00:29:12: Ich freue mich total, dass du das Thema noch mal für uns eingeordnet hast und wer weiß vielleicht findet Lesestadt ein zwei drei doch nochmal eine Anschlussfinanzierung.

00:29:20: Wir werden auf jeden Fall im Blick behalten, was denn dafür andere Projekte folgen sollen und ob überhaupt etwas folgt.

00:29:26: Wir haben jetzt mit dieser Folge einmal deutlich gemacht dass etwas folgen sollte, denn das Problem löst sich nicht in Luft aus und hier sollte man eigentlich nichts fahren.

00:29:35: Ich danke dir für deine Expertise Ulrich Und ich freue mich wenn Alle, die diese Folge gehört haben sie mit ihrem Netzwerk teilen gerade vielleicht auch mit Arbeitgebern.

00:29:46: Denn Arbeitgeber können also wirtschaftliche Akteure können auch noch mal einen anderen Druck aufs Bildungssystem beziehungsweise auf die Politik ausüben wenn einmal klar signalisiert wird hey das hier hat wirtschaftlicher folgen.

00:29:58: ich habe immer das Gefühl dass es Einzige Argumente, was zählt.

00:30:03: Also wirtschaftliche Folgen in dieser Spadebatte-Interveyor aktuell sind um aufzuzeigen dass wir an manchen Dingen einfach nicht sparen sollten.

00:30:12: So und jetzt muss ich noch sagen, das ist die letzte Folge vor der Sommerpause.

00:30:15: Denn für mich geht es erstmal in den Urlaub.

00:30:18: Drei Wochen Kanada warten auf mich und danach melden wir uns mit spannenden neuen Themen und klugen neuen Gesprächspartnern und Partnerinnen.

00:30:26: Ich wünsche euch einen wunderschönen Sommer!

00:30:28: Und wir hören uns voraussichtlich im September wieder.

00:30:32: Es sei denn ich habe solche Sehnsucht als ich früher starte...

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